Spät am Abend

Ich bin spät am Abend in Frankfurt angekommen. Das Flugzeug hatte Verspätung und das hat nicht viel geholfen. Ich hatte schon keine gute Laune: ich wollte nicht mich von meinen Eltern verabschieden und bei ihnen ein paar Tage länger bleiben, nur um zu bestätigen, dass ich noch ihre Tochter bin und brauche immer noch, trotzt meines Alters, emotionale Hilfe.
Meine lautlose Schreie wurden ignoriert und so bald ich alleine am Check-in war und meine Eltern wieder nach Hause zurückgefahren sind, bin ich wieder in eine Depression versinkt. Nerven im Bauch. Die verdammten Nerven im Bauch lassen mich nicht in Ruhe und ich kann fast nichts essen ohne, dass ich kotzen muss. Ich habe keine Angst vom Fliegen aber heute habe ich keine Ahnung, was mit mir los ist. Doch! Ich weiß nicht warum ich das sage: ich habe ja eine Ahnung.

Die S-Bahn verlässt den Regionalbahnhof und bald ist draußen alles dunkel. Ein kleines Dorf hier, ein anderes Dorf dort. Alles ist dunkel bis wir näher und näher zu dem frankfurter Hauptbahnhof kommen. Der Zug überquert die Bahnbrücke und nach fünf Minuten steige ich mit meinem schweren Koffer aus. Ohne Lust auf noch einem Zug, entscheide ich mich für ein Taxi anstelle von der U-Bahn. Mir gefällt die U-Bahn nicht: die hat zu wenige Haltestellen. Am liebsten nehme ich einen Bus. Mit dem eigenen Auto zu fahren ist etwas verrücktes. Nach einhalb Jahren in Frankfurt, habe ich schließlich festgestellt, dass es keinen möglichen Parkplatz für mich im Innerstadt gibt. Vielleicht ist das ein zu langer Willkommenswitz für Neuankömmlinge oder die Stadt kämpft einfach gegen mich, um sich von mir zu befreien.

Das Taxi kostet ungefähr 10 Euro. Ich weiß es nicht genau aber es hat nie mehr als 11 oder 12 Euro gekostet, so, als der Fahrer mir den Preis sagt, gebe ich ihm einfach eine 20 Euro Banknote und lasse ihn rechnen, was er will. Ich will nur zu Hause sein und mich in meinem Bett einkuscheln. Nicht mehr an jemandem denken. Weil das ist, was mit mir los ist. Diese Person, die ich diese zwei Wochen nicht von meinem Kopf rausmachen konnte.

Ich werde morgen den Koffer auspacken. Ich nehme eine Nachtdusche (die sind immer die besten) und ziehe mir den Pyjama an. Jetzt ist die Welt anders. Vielleicht ist sie einfach sauberer. Nur weil ich auch sauberer bin. Ich habe meine Haare nicht gewaschen. Morgen werde ich es machen, weil ich ansonsten eine halbe Stunde verbringen muss, sie zu kämmen. Nein, lieber trinke ich irgendwelche Art von Kamillentee, die ich im Schrank finde, so dass ich ohne Sorgen schlafen gehen kann. Die Sorgen bleiben aber im Kopf und gerade ist dieses Gesicht, was im Kopf bleibt, weil ich weiß, dass ich es in weniger als zwölf Stunden sehen werde.

Ich bedecke meinen Kopf unter die Decke und schließe meine Augen so stark wie möglich. Ich bin wieder zu Hause. Nach allem, was passiert ist, bin ich wieder zu Hause und will diesen Moment genießen. In dem feinen Licht, dass das Zimmer erleuchtet, schaue ich alles an. Das Bild mit dem Lost in Translation Plakat ist noch dort, wo ich es vor viele Monate gehängt habe. Auch sind meine Bücher, der Schreibtisch und der Schrank an seinem Platz. Nur bin ich irgendwie verändert.

…bin ich in Frankfurt angekommen.

Ganz viele Küsse,

Laura, die Dolmetscherin

Spät am Abend

La ville de l’amour

The little boy beams at his mother when she gives him the crêpe. She pays, takes her child’s hand and they both walk away from me.
The Eiffel Tower glows in the distance. Today it was a sunny day and now the early evening light passes through the few clouds that dare to appear and gives the sky a mix of colours that vary from the clearest orange to the darkest shade of blue. It is the city of love, the city of lights, of fashion. Paris is the city of everything and everyone. No matter at what time of the year you go, there are always foreigners who want to see the famous monuments that adorn les rues parisiennes. There are always people like me in search of inspiration to paint, to write. The weather is cold and it is getting colder, as the sun goes down. The street lights and the Christmas lights are already on. I am sitting on a bench with a blank notebook lying on my lap. I believe the ink in my pen is already frozen. I wanted to describe what I feel when sitting here. I wanted to describe Paris.
Starting from the top of Montmartre you can see a panorama of the whole city from the Sacré Coeur. Then you go down to the Place du Tertre. If you are lucky, you will not be attacked by a dozen artists who want to draw you caricature. There, in this little corner of the city you can sense the spirit of la bohème. Descending the long stairs and walking through the tortuous streets of the quartier, you reach the Moulin Rouge… The boulevard is not the best place to go with children, but it has its own charm. Then, after taking some pictures, posing as Beyoncé, in front of the famous cabaret it is time to go on walking down to the centre. After seeing l’Église de la Trinité, you arrive at the magnificent Opéra where no one has never again seen the phantom. And near the Opéra is the Madeleine. As you are may be now a bit tired, you sit on the outdoor staircase eating a crêpe, you watch as the passers-by run, hop and look at you in a curiously. Why do they do it? Why do they look at you? Maybe it is because you have got a strange expression of well-being on you face. It is time to keep on walking. La Place de la Concorde… It is the biggest square in Europe and a frantic of cars driving in all directions. From the Pont de la Concorde there is the most beautiful view I have ever seen. On one side, Nôtre Dame and l’Île de la Cité, on the other, la Tour Eiffel.
It is getting darker by now. You take the Quay d’Orsay and start walking slowly. Savouring each view the city offers you. The streets are becoming empty, but there are always some lost and noisy tourists taking pictures of everything. After walking for more than half an hour, you reach your destination, the most famous monument of the country. Despite the coldness of the air, you go and sit on the grass in les Champs de Mars and there you wait until the night falls or until your bottom is cold and wet enough to make you stand u
p and go back to the hotel to change your jeans.
I have tried to do it. I have tried to describe Paris as I see it, a mixture of images in my head. There are a thousand things I could say about this city, my city. If it were a man or a woman, I would not care, I would marry Paris.

These December days I go outside my little flat in early evening. After dozens of stairs, when I am finally on the street, I look around me, smile and with no fixed destination I go walking down the Avenue des Champs Elysées.
Paris. Vista des de la terrassa de les Galeries Lafayette. Desembre 2005.

Petons,

Laura, die Dolmetscherin

La ville de l’amour